Erste Schritte im Streckensegelflug

Nötsch-Fluglager 2026

Mit hoch piepsendem Vario in 2.400 Metern über die Kärntner Alpen nahe dem Dobratsch gleitend, die Luft um den Flieger rauschend und knapp unter der Wolkenbasis angekommen, heißt es endlich: die nächste Strecke der Bergkette entlangfliegen. So klingt Fluglager aus dem Bilderbuch. Genau so war auch mein Flug in unserem jährlichen Nötsch-Fluglager.

Perfektes Wetter, gute Thermik und viele Gelegenheiten, sich in den Bergen zu testen, zu trainieren und natürlich auch viel dazuzulernen. Aber bis man wirklich unter die Wolken kommt, sind davor einige Schritte zu erledigen.

Am Flugplatz in der Früh angekommen, wird zuerst alles von der Checkliste abgearbeitet und die Flugvorbereitung durchgeführt. Instrumente, Ruderkontrolle, Wetter, persönliche Vorbereitung und einige Zeit später steht der Flieger auch schon am Start. Natürlich sind das Wetter und die optimale Stelle für die erste Thermik auch bei unseren erfahrenen Streckenflugpiloten immer ein großes Thema. Genau deshalb gibt es für uns Nachwuchspiloten auch immer genug zum Zuhören, Mitdenken und Nachfragen.

Gurte kontrolliert, Wind gecheckt, eingeklinkt und den Luftstrom der Schleppmaschine spürend, sitzt man nun gespannt und konzentriert im Cockpit vor dem Start. Die Flügel werden von einem Helfer gehoben und die Maschine vor uns dreht den Motor auf Startleistung. Nach einem kurzen Ziehen am Seil hebt der Flieger ab, und 1 Meter über dem Boden geht es am Tower vorbei. Kurz darauf zieht die Schleppmaschine vor uns nach oben, und Nötsch wird langsam kleiner unter uns.

Dann kommt die erste Challenge: Ausgeklinkt über dem Geröll des Dobratsch muss nun die erste Thermik gefunden werden. Nach ein wenig Suchen, Probieren und Nachzentrieren haben wir sie schließlich gefunden. Auf rund 2.200 Metern geht es nun weiter in Richtung Weißensee. Noch ein letzter Blick zurück auf den Dobratsch, den wir in der Höhe bereits leicht übertroffen haben. Durch die gute Sicht sieht man an diesem Tag weit in die Alpen hinein und sogar bis zum Mittagskogel hinaus.

Die Wolkenbasis ist noch nicht ganz erreicht, also geht es direkt in die nächste Thermik. Diese bringt uns auf knappe 2.600 Meter und zieht uns direkt in die angenehm kalte Luft unter der Wolke. Bei fast 30 Grad am Boden ist das dort oben schon deutlich angenehmer.

Mit der nun gewonnenen Höhe beginnt der Streckenflugteil unseres Fluges. Mit gutem Tempo geht es weiter bis zum Weißensee, den wir als Umkehrpunkt nehmen. Die Wettersituation bis zur nächsten Bergkette sieht nicht optimal aus, und im Nachhinein war das auch eine gute Entscheidung. Beim Blick auf den Weißensee aus etwa 2.700 Metern und mit dem Panorama der Alpen vor uns fällt es zwar nicht leicht umzudrehen, aber beim Segelfliegen sollte man immer auf der sicheren Seite bleiben. Wetterbedingungen können sich schnell ändern, besonders in den Bergen.

Zurück in Nötsch wartet dann schon die nächste Herausforderung. Der Platz liegt zwar direkt unter uns, aber die Bedingungen am Hausberg haben sich deutlich geändert. Statt mit zwei bis drei Metern pro Sekunde zu steigen, wie noch eine Stunde davor, geht es nun mit ähnlichen Werten nur nach unten. Schlussendlich finden wir mit etwa 700 Metern über Grund noch eine kleine, schwache Thermik. Nach einiger Zeit verlassen wir sie jedoch und bereiten uns auf die Landung vor.

Die Position wird über Funk bekannt gegeben, der Wind noch einmal geprüft, und mit der Landeerlaubnis geht es in den Anflug auf die Piste 27. Mit genügend Sicherheitsabstand zu den Bergen auf der linken Seite und der Piste auf der rechten Seite drehen wir in die finale Kurve ein. Die Piste ist im Blick, die Bremsklappen werden gezogen, und einen Moment später schweben wir wegen des leichten Rückenwindes mit rund 110 km/h über die Graspiste in Nötsch.

Sanft aufgesetzt rollen wir bis zum Ende der Piste aus. Nach dem Verräumen des Fliegers ist ein weiterer lehrreicher Flug beendet.

Taktik ist beim Segelfliegen neben dem eigentlichen Fliegen eine der wichtigsten Komponenten des Streckenflugs. Eine Entscheidung hier oder dort kann große Auswirkungen haben. Deshalb ist es immer gut, dieses Schachspiel in der Luft mit etwas Sicherheitspuffer zu betreiben. Wie dieser Flug wieder gezeigt hat, kann sich das Wetter schnell ändern, und genau das macht jeden Flug einzigartig, spannend und lehrreich.

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