Ein Segelflugzeug im Hörsaal P1

Autoren:
Gernot Hehn, Martin Tscherner und Georg Stasny

AKAFLIEG GRAZ bei der Langen Nacht der Forschung

Die Akaflieg Graz und das Institut für Experimentalphysik zeigten bei der Langen Nacht der Forschung einem breiten Publikum die Faszination Fliegen und schürten die Begeisterung für Physik. Was gibt es Besseres, als das mit einem echten Flugzeug im Hörsaal zu demonstrieren. Aber wie kommt ein Flugzeug in einen Hörsaal?

Alles der Reihe nach…

Wie unser Segelkunstflugzeug B4 im Hörsaal landete

Martin Schultze und Marcus Ossiander, beide Experimentalphysiker an der TU Graz und Mitglieder der Akaflieg, haben aus Anlass der Langen Nacht der Forschung keine Mühen gescheut um für unser Segelflugzeug Pilatus B4 einen geeigneten Anflugsektor in den größten Hörsaal der TU-Graz ausfindig zu machen.

Segelflugzeuge landen gerne über die sogenannte Platzrunde, also Gegenanflug links neben der Piste, Queranflug und dann Endanflug auf die Landebahn. Ok, das kann mitten in Graz etwas kompliziert werden. Aber Segelflugzeuge haben einen großen Vorteil: Sie können in einem Anhänger zerlegt herantransportiert werden. Also haben wir den Gegenanflug, das Eindrehen in und den Queranflug mit vereinten Kräften mit dem Flieger im Anhänger zu ebener Erd durchgeführt. In der Steyrergasse sogar mit leichtem Sinkflug 😉.

Doch jetzt kam erst die echte Challenge: Wie kommt der Flieger im Endanflug auf den Hörsaal durch diese kleine Tür 🤔:

Wir landeten zuerst mit der Tragfläche 1

Ok, dann lass uns mal die B4 auspacken und Fläche, Rumpf und die zweite Fläche einzeln nacheinander im Hörsaal landen. Im echten Fliegerleben in Teilen zu landen, ist nicht empfehlenswert, aber hier ziemlich sehr sicher die einzige Möglichkeit und eine gute Wahl 🧐.

Also auf geht’s, alle Eventualitäten durchgespielt, das Geländer beim Eingang abmontiert und die Straßensperre vorbereitet. Warum? Du wirst gleich sehen, wie die Tragfläche die Steyrergasse zur Freitag mittäglichen Verkehrsspitze ziemlich absperren wird. Bis auf einen kurzen Huper – der war aber nicht unfreundlich – blieben alle eher freundlich erstaunt stehen.

Und damit war die erste Tragfläche im P1 angekommen. Man beachte: Die Hörsaalbreite ist 18m, die Spannweite unserer B4 15m (Standardklasse). Vielleicht hatte man ja bei der Errichtung des Hörsaals eine Vorahnung, dass Professoren und Piloten auf solche Ideen kommen 🤷‍♂️.

Und der Rumpf war dann der zweite Streich

Der Rumpf unserer B4 ist dann doch noch eine andere Nummer. Schwerer und breiter wird das bei der Enge der Tür eine Herausforderung. Und wenn das geschafft ist, muss der Rumpf auch noch im Hörsaal zwischen der ersten Sitzreihe und der Tafel Platz finden. Jetzt steht es tatsächlich Spitz auf Knopf:

Die Tragfläche 2 war zum Glück nur mehr Formsache

Denn die Breite des P1 war ja bekannt und für die Spannweite kein Problem und der Rumpf war perfekt, wie angegossen passend: Passt, sitzt und hat noch ein bissl Luft 💪.

Wir bauen ein Flugzeug

So ein Zusammenbau oder auch aufrüsten genannt, ist mit Experten an Ort und Stelle kein Hexenwerk. Wenngleich ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten die Sache wesentlich vereinfacht. Mit Sigi Rossmann, Franz Renz, Markus Schriebl und Lexi Sturn, alles samt Fluglehrer und Vollprofis auf und mit der B4 war das Flugzeug ruck zuck zu einem Kunstwerk im Hörsaal zusammengesteckt.

Ganz zum Schluss kommt noch das Höhenleitwerk oben auf, letzte Anweisungen werden erteilt und die finale „Abnahme“ wird in Angriff genommen.

The Eagle has landed

Unsere B4 im Hörsaal an der Tu Graz – wir haben es geschafft!

Ein Segelflugsimulator für den Nachwuchs

Letzte Vorbereitungen an unserem Segelflugsimulator, den wir im Foyer aufgebaut hatten. Der Sim war dann vor allem bei den jüngeren Besucherinnen und Besuchern ein absoluter Magnet.

Auch wenn die Technik uns anfangs forderte, die VR-Brille verweigerte hartnäckig ihren Dienst, bewies das Team Flexibilität: Wir stellten kurzerhand auf Bildschirmbetrieb um. Was als Notlösung begann, erwies sich als echter Glücksgriff, da wir so gleich mehrere Kinder betreuen und durch ihre ersten Flugversuche leiten konnten.

Weltmeisterliche Modellflieger mit dabei

Die Akaflieg betreibt ja nicht nur Segelflieger und einen Touringmotorglider, sondern auch den Modellflug. Unter den Modellfliegern sind auch Weltmeister in der Klasse F5B. Mit Adi Hansemann, dem Sektionsleiter Modellflug und Georg Steiner kann sich der Auftritt sehen lassen.

Und wo ist unsere Touringmotorglider Sektion?

Wir wollten Martin nicht überfordern und unterließen die (nie entstandene) Idee, unseren Motorsegler, eine Super Dimona im Foyer aufzubauen 😂. Somit blieben auf unserem Stand nur die Folder unseres Vereins und motivierende Geschichten als Einladung, mit uns zu fliegen. 

Wir sind startklar, die Show kann beginnen 💪

Was ging unserem Vereinsvorstandsvorsitzenden da wohl durch den Kopf…

Es geht los, der Trubel beginnt

Der Hörsaal mit unserer B4 füllt sich

Ab 17 Uhr, dem offiziellen Beginn der Langen Nacht der Forschung, ging es dann mit dem Besucheransturm so richtig los. Als erstes füllte sich der Hörsaal ganz rasch. Unsere B4 wurde so richtig zum Publikumsmagnet.

Groß und Klein nutzten die Gelegenheit, ein echtes Segelflugzeug aus nächster Nähe zu erleben – und natürlich auch selbst im Cockpit Platz zu nehmen.

Für viele war es vermutlich das erste Mal im Cockpit eines Segelflugzeugs, und für manche vielleicht – und hoffentlich – nicht das letzte Mal. Die Flausen der Fliegerei hat Michi bestimmt in viele Kinderherzen eingesetzt ❤.

Unser Segelflugsimulator im Foyer erfreute Jung und Reif

Unglaublich, wie viele junge Talente es für den Segelflug gibt. Wir freuen uns, wenn ihr mit 14 Jahren zu uns in die wirkliche Schulung kommt. Ab diesem Alter geht es los. 

Mit der Zeit spielten sich die Abläufe perfekt ein. Die Begeisterung bei den Kids wuchs immer mehr und manche wollten das Cockpit gar nicht mehr verlassen. Dabei wurde schnell klar: Ein spektakulärer Looping schlägt eine saubere Landung in der Beliebtheitsskala um Längen – besonders mit dem beruhigenden Wissen im Hinterkopf, dass ein Absturz in der Simulation keinerlei Konsequenzen hat.

Experimentier-Vorlesung für die ganze Familie

Ein zentrales Highlight des Abends waren zwei Vorlesungen von Univ.-Prof. Martin Schultze, der seit rund einem Jahr selbst Flugschüler bei der Akaflieg ist. Und sein Forscherteam mit Marcus Ossiander (ebenfalls Mitglied der Akaflieg Graz) und Roland Lammegger. Martin erklärte in seinen Vorträgen anschaulich die Grundlagen des Fliegens – von Auftrieb bis Strömungseffekten. Dass ein Experimentalphysiker das Fliegen nicht nur erklären, sondern auch selbst erlernen will, überraschte dabei niemanden mehr im Publikum. Wie du gleich sehen wirst, sind sie eben Feuer und Flamme.

In unzähligen Experimenten wurden Strömungsdynamik, steigende Geschwindigkeit, sinkender Druck bis zu faszinierenden Effekten mit Unterdruck erklärt. Auch den Auftrieb konnte das Team in anschaulicher Form vorstellen und viele weitere Experimente erfreuten das Publikum.

Die Vorlesungen waren bewusst interaktiv gestaltet und bezogen das Publikum aktiv mit ein – ein Konzept, das sehr gut ankam. Kinder und Jugendliche bekamen für jede Frage einen kleinen Kunststoffflieger als Anerkennung, schon in jungen Jahren im Hörsaal zu sein und vor allem engagiert mitzuarbeiten.

Auch komplexere Phänomene wie Randwirbel wurden experimentell veranschaulicht und sorgten für einige Aha-Momente. Es war ja auch eine lange Nacht der Forschung 🧐.

Und Roland Lammegger versuchte eine für ihn wesentliche Angelegenheit durch eine Publikumsjokerfrage zu klären.

Und danach die Physik, die ins Schwarze trifft

Nach der Vorlesung wurde es spielerisch: Beim Papierflieger-Wettbewerb galt es, möglichst treffsicher in einen Korb, der an der Tafel befestigt war, hinein zu treffen – als Preis winkte ein Rundflug mit unserer Super Dimona. Die Flugleistungen der Papierflieger lagen dabei stellenweise überraschend nahe an den Erwartungen der Konstrukteure 😂.

Na dann: Auf die Plätze, fertig, Abflug:

Als Marcus den Sieger zog, konnte sich der Herr Professor nicht mehr halten 🛫.

Die Sieger bewiesen bis zum Schluss Nervenstärke und durften sich über den Hauptpreis freuen. Und wir Akaflieger freuen uns auf den schönen Rundflug vom Grazer Thalerhof aus mit euch. HERZLICHE GRATULATION!!!

Gratulation von Prof. Martin Schultze (links), von der Akaflieg durch Vereinsobmann Andreas Zangl (Mitte) und Akaflieger Bernd Billinger.

Ein durch und durch gelungener Abend

Bis in die späten Abendstunden herrschte reger Betrieb. Der Hörsaal war durchgehend gut besucht, und die Kombination aus echter Technik, anschaulicher Wissenschaft und Mitmach-Stationen kam hervorragend an.

Auch gegen Ende des Abends wagten sich noch einige Besucher an den Simulator – mit teils überraschend erfolgreichen ersten Schleppstarts.

Erst nach 23 Uhr begann der Abbau. Dieser verlief dann schon deutlich routinierter als der Aufbau – man wusste ja inzwischen, dass es grundsätzlich funktioniert. Müde, aber zufrieden ging ein intensiver und erfolgreicher Abend zu Ende.

Weit nach 23 Uhr verließen auch die letzten Akaflieger die Lange Nacht der Forschung. Und wer weiß, ob da wirklich alle gleich nach Hause gingen 🍺🍺🍺🍺🍺🍺🍺🍺🍺.

Ihr habt es euch verdient!

Fazit

Die Lange Nacht der Forschung bot eine ideale Gelegenheit, den Flugsport vom Segelflug, Tourigmotorgliding bis zum Modellfliegen einem breiten Publikum näherzubringen und zu zeigen, dass hinter dem Fliegen weit mehr steckt als nur Fortbewegung: Physik, Technik, Präzision – und vor allem Begeisterung.

Wir wollten dem Publikum zeigen,
dass Fliegen nicht nur faszinierend ist, sondern auch die ganze Schönheit der Welt erlebbar macht.
Wenn du mit dem Flugzeug abhebst, beginnst du die 3. Dimension zu begreifen..

Ein großer Dank gilt allen Mitgliedern, die den Aufbau, die Betreuung vor Ort und die Durchführung dieses Abends ermöglicht haben. Mit dabei waren Martin Schultze, Andreas Zangl, Sigi Rossmann, Sai Veranki, Michael Huber, Christoph Lonad, Markus S (also known as the „Special Agent“), Sigi Hollerer, Alexander Sturn, Felix Prattes, Franz Renz, Lukas Kuen, Bernd Billinger, Adolf Hansemann und viele weitere helfende Hände.

Hast du Lust aufs Fliegen bekommen?

Dann schau am Donnerstag bei unserem Clubabend vorbei. Lass uns über deine Möglichkeiten sprechen, wie du dir bei uns diesen Traum erfüllen kannst. Das geht einfacher, als du denkst!

Wir freuen uns auf dich:
Christoph, Sai, Andreas, Tom, Lukas und Franz und viele andere mehr…

Autoren:
Gernot Hehn, Martin Tscherner und Georg Stasny

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